Für alle, die sich wünschen, dass in Kunstwerken noch etwas für sie persönlich Bedeutsames (was auch immer das jeweils sein mag) verborgen ist, ...

"I believe that the only real value of the medal, as with everything else, lies in its human function and in its human importance ."
( John Cook in seiner Rede zum XIX. FIDEM Kongress, Florenz, 1983, zitiert aus Medailles, herausgegeben durch die FIDEM, 2008, Seite 65)

Was erwartet den Besucher dieser Webseite ?                                                      Version 2.0 vom Oktober 2011

Zum besseren Verständnis des Hintergrundes der vorgestellten Reliefs und Medaillen- und damit der Betrachter möglicherweise die Werke besser "genießen" oder noch überzeugter ablehnen kann- geben wir hier einige allgemeine Hinweise auf deren besondere "Eigenart" :

Es mag zwar auf den einen oder anderen Betrachter enttäuschend und ernüchternd wirken : Der "Gestalter" dieser Reliefs und Medaillen hat keine künstlerische Ausbildung genossen und bestreitet seinen Lebensunterhalt auch nicht durch seine Werke. Einige Leser dieser Zeilen werden sich sicherlich an dieser Stelle von uns bereits wieder verabschieden - wir wünschen Ihnen dazu ein freundliches "Leben Sie wohl" .

Was auf den ersten Blick ein großer Makel zu sein scheint , hat auf den zweiten Blick für den Gestalter und damit hoffentlich zumindest auch für einige Betrachter durchaus einige Vorteile : Der Gestalter der Reliefs entgeht relativ leicht der Gefahr eines Epigonenstils, er musste und er muss unabhängig von einem " Meister" seinen eigenen Stil finden und entwickeln - den er ganz den Antrieben, Wertvorstellungen und Prioritäten der eigenen Lebensgestaltung entsprechend ausformen kann. Der Stil dieser Reliefs wird sich nicht bestimmten Modeströmungen anpassen müssen- um den Geschmack eines "größeren" Publikums zu treffen. Um "erfolgreich" auf dem Gebiet der "Kunst" zu sein , darf man i.a. zwar nicht stets in der Mitte des Stromes der Zeit und der Modetrends schwimmen, aber man sollte sich auch nicht allzu weit von ihr entfernen. Diese Überlegungen sind für uns ohne Belang. Dies hat insbesondere auf die Themenwahl erhebliche Auswirkungen. Die Gestaltung unserer Werke ist so frei, dass wir nicht nach rechts oder links schielen oder uns sonst verbiegen müssen , ja, wir müssen noch nicht einmal danach streben, uns nach zum Teil recht zweifelhaften Bewertungskriterien als "Künstler" und unsere Werke als "Kunst" einordnen zu lassen. Wir können uns insbesondere die Freiheit erlauben -sofern uns das für die Behandlung des Themas angemessen erscheint, auch "schrecklich altmodisch" zu sein - ja sogar vielleicht sogar versuchen , einen Gegenstand im obsoleten Sinne "schön" (horribile dictu :-) ) darzustellen. Damit hat der Relief- Gestaltende den maximal möglichen Gestaltungsfreiraum für seine Werke im Vergleich zur "normalen" Freiheit der "Kunst". Freiheit ist durchaus ein dehnbarer Begriff - Freiheit kann auch die "Einsicht in die Notwendigkeit" bedeuten, die eigenen Werke einer wirtschaftlichen Nutzung zuführen zu müssen. Damit sind in der Regel auch gewisse Zugeständnisse verbunden.

Über die äußerst fragwürdigen , schwammig und zur Worthülse gewordenen und fast beliebig auslegbaren Begriffe "Kunst" und "Künstler" im Allgemeinen wollen wir uns hier nicht weiter auslassen (Ready-made,...).

Was für einen Vorteil mag aber der Betrachter der hier dargestellten Werke aus der hier geschilderten Gestaltungsfreiheit gewinnen ?

Der Gestalter der Reliefs kann sich ungestört seinem eigentlichen Ziel widmen: Der Verknüpfung von zwei gestaltenden Tätigkeiten : Einerseits gestaltet er - mit Gefühl und Verstand ein stoffliches Material , in dem er ein Thema , einen frei gewählten Inhalt in eine angemessene Form bringt oder zumindest zu bringen versucht - die andere gestaltende Tätigkeit bezieht sich auf das "Leben" selbst- das manch widrigen und einschränkenden Randbedingungen unterworfen ist. Wir wollen allerdings an dieser Stelle die erwähnten "Widrigkeiten" für uns selbst nicht übertreiben- wir haben es dabei noch relativ gut getroffen und sind dem Schicksal auch dankbar dafür. Man soll jedoch den Tag vor dem Abend nicht loben - insofern wollen wir an dieser Stelle sehr vorsichtig und bescheiden sein.

Gerade die Verknüpfung von unterschiedlichen Gebieten - hier innerhalb der Kunst- kann aber zu neuen, überraschenden Einsichten und ungewohnten Empfindungen führen. Die Verbindung zwischen den beiden Bereichen "Lebenskunst" * und "Medaillen - und Reliefkunst " ist die "Kunst der Interpretation" - die bei der Gestaltung, aber auch beim "Aufnehmen" des Werkes durch den Betrachter ins Spiel kommt. Wir hoffen dabei , dass wir die Phantasie des Betrachters dazu anregen können, sich in einzelne Werke selbst einzubringen - nicht weniges lässt sich aus einem gewissen Abstand besser betrachten, sofern es einen selbst betrifft.

Eine entscheidende Möglichkeit , die Verbindung dieser drei "Künste" zu realisieren, wird uns die Themenwahl bieten. Der Inhalt , das Thema , ist uns also durchaus wichtig - nicht nur die Form und die Erweiterung der Palette von Gestaltungsmöglichkeiten. "Neuheit" bei der formalen Gestaltung ist nicht unbedingt mit "Qualität" gleichzusetzen - wie wir meinen. Damit befinden wir uns bereits im Gegensatz zu nicht wenigen "Kunstkennern" und Kunstkritikern - was uns aber aus den oben genannten Gründen nicht sonderlich zu kümmern braucht. Wir räumem allerdings an dieser Stelle gerne ein, dass die Skepsis hinsichtlich der Präferenz des "Neuen" um des "Neuen" willen in den letzten Jahren auch bei Kunstkritikern etwas gewachsen ist. Die relativen Gewichte von Form und Inhalt werden allerdings von Werk zu Werk durchaus beträchtlich schwanken können - sowohl beim Gestalter als auch bei Betrachter. Dies schließt prinzipiell eine Wertschätzung von Werken, die "nur" Form sind , aber keinen deutbaren "Inhalt" haben, von unserer Seite jedoch nicht aus. Wir werden allerdings Themen in der Mehrzahl behandeln, die sich direkt auf das menschliche Leben und seine Gestaltung - speziell auch auf die "Lebenskunst" - beziehen und somit also relativ zeitlos sind. Allerdings, und da geben wir den Philosophen durchaus recht, "Lebenskunst" macht sich am häufigsten durch die Empfindung ihrer Abwesenheit bemerkbar. Das wird also auch ein Thema im Gesamtwerk sein. Die gezeigten Medaillen können deshalb auf Grund ihrer Thematik vielleicht auch die Phantasie einiger Betrachter bezüglich bestimmter Lebensumstände und ihrer eigenen Lebenssituation anregen. Durch die bei nicht wenigen Werken für den Betrachter angelegte Möglichkeit zwischen diesen und sich selbst, eine Beziehung , einen Zusammenhang herzustellen, kann er den Werken - so hoffen wir zumindest- "Sinn" zuordnen. Manches lässt sich durch einen Text oder durch Worte in seiner Vielschichtigkeit nicht wie in einer bildlichen Darstellung oder einem Relief angemessen vermitteln - ausgedrückt durch eine auf den "Inhalt" abgestimmte "Form" , bei eigener Deutungsfreiheit . Als zusätzlich "sinnhafte" Komponente kommt bei bei einer Medaille oder einem Relief noch das besondere Erleben der Berührung hinzu. Abstrakte Formen erscheinen uns aufgrund ihrer häufig totalen "Unbestimmtheit" für unser eigenes Anliegen als relativ ungeeignet- wir lehnen diese jedoch nicht grundsätzlich ab. Wir assoziieren allerdings diese nicht selten mit einem modifizierten Rohrschachtest. Mit einer geschickten und stimmigen Farbauswahl kann man allerdings auf viele Betrachter einen großen Eindruck machen ....

Unsere Themenwahl ist auf direkte eigene Erfahrung gegründet : Wir kennen nicht wenige Medaillen und Reliefs, die zwar ästhetisch ansprechend und originell gestaltet sind, die uns aber inhaltlich nicht sonderlich interessieren und berühren - von einer Anfangsphase abgesehen, die durchaus faszinieren kann. Für uns attraktiv, auch auf Dauer - unabhängig vom Reiz des Neuen- sind insbesondere die Werke, bei denen wir uns persönlich durch eine Interpretation einbringen können, also "offene Kunstwerke". Das ist natürlich bei der nur geringen räumlichen Ausdehnung von Medaillen und Reliefs schwieriger zu erreichen als bei der Malerei mit ihren normalerweise größeren Formaten. Andererseits ist die Herausforderung bei der Konzentration auf das Wesentliche des Themas auch von besonderem Reiz. Werke, und das soll keine Bewertung sein - sondern nur eine völlig subjektive Einordnung, die insbesondere Köpfe "alter Männer" , Gebäude darstellen oder sich auf Ausstellungen, Tagungen , Jubiläen ,... beziehen, sind deshalb für uns nur von sehr begrenztem Interesse.

Das hier beschriebene Verknüpfen von "Kunst" und "Lebenskunst" hat für uns zur Folge, dass der Gestaltungsprozess selbst ein ganz wesentlicher Bestandteil des Werkes ist : Welches Thema ist uns so wichtig , dass wir die "Arbeit" auf uns nehmen , es in einem Relief zu behandeln ? Welchen "Sinn" besitzt die konkrete Gestaltung für uns ? Auch hier besteht eine enge Beziehung zur Lebenskunst, bei der die Frage nach dem "Sinn" ebenfalls eine zentrale Bedeutung besitzt. In welchem Umfeld ist das Thema eingebettet ? Welche historischen, gesellschaftlichen, psychologischen, möglicher Weise philosophischen Hintergründe existieren ? Was ist wichtig , was ist unwichtig , was ist charakteristisch ? Welche Gefühle, welche Empfindungen verbinden wir mit dem Thema ? In welcher Beziehung insgesamt steht das Thema zu uns selbst ? Was bewegt uns dabei besonders ? Ärger ? Wut ? Freude ? Lust ? und,..., und,... Wie setzen wir das Thema um - mit Ironie, polemisch , mit einer "philosophischen" Komponente ,.... ? Und last, but not least : Wie kann dasThema in eine ästhetisch überzeugende Darstellung übersetzt werden ?

Und ganz zum Schluss zur Themenauswahl : Von welchem gesellschaftlichen Thema lassen wir lieber die Hände ? Es gibt leider immer noch einige Tabus in der Gesellschaft - bei denen offenbar die politische Vernunft letztlich völlig ausgeschaltet ist- auch noch in den letzten Jahren. Wer möchte sich schon gern öffentlich als "Quartalsirrer" diffamieren lassen, wenn man ein gesellschaftlich relevantes Thema mit großer Brisanz und hohem Lösungsbedarf angesprochen hat ? Auch dies gehört durchaus in den hier angesprochenen Zusammenhang - ist doch der Umgang mit Ärger, Wut und Zorn ein Gegenstand der Lebenskunst. Da ist es dann doch vernünftiger, manchen Ärger lieber nicht an veröffentlichten Medaillen oder Plaketten abzuarbeiten, um sich anderen Ärger zu ersparen. Themen aus dem gesellschaftlichen und politischen Bereich, an denen man sich abarbeiten könnte - und vielleicht seinen Frust mindern könnte- etwa die Gründe für die internationale Finanz - und Euro -Krise um das Jahr 2011 gibt es in großer Anzahl - wir vermuten, dass der Medailleur Karl Goetz seine wahre Freude an den vielen Anregungen zu einem wahren satirischen "Feuerwerk" gehabt hätte. Der Schwerpunkt unseres Medaillen- und Reliefwerkes liegt im Gegensatz dazu allerdings im persönlichen, privaten Bereich.

Die Ausarbeitung, die Gestaltung eines Werkes ist also in der Regel mit einer Vielzahl von Empfindungen, mit der Klärung und dem Abwägen von Argumenten formaler und inhaltlicher Art von möglichen Alternativen , mit dem Nachdenken über involvierte "Werte", bei einigen Entwürfen auch mit der zusätzlichen Einholung von "background-Wissen" verbunden - was schließlich in eine Entscheidung, in eine konkrete Wahl für eine bestimmte Realisierung mündet. Insofern besteht eine enge Analogie zwischen der gestaltenden Kunst an einem dinglichen Material und am Material des eigenen Lebens, der Lebensgestaltung - als Zielvorstellung eben mit dem Begriff "Lebenskunst" bezeichenbar. Manches ist im Bereich der darstellenden Kunst erlaubt und wird während der Entwurfsphase gedanklich "durchgespielt" , was im realen Leben so ohne weiteres aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen und von gesellschaftlich eingeforderter politischer Korrektheit konkret nicht möglich oder empfehlenswert wäre. Von einem "second life" in diesem Zusammenhang zu reden, wäre sicherlich übertrieben - aber als eine Annäherung an das "fabricando fabricamur" des Altertums wird dieser Prozess durchaus von uns empfunden. Reizvoll ist insbesondere für uns an der Gestaltung eines Reliefs, dass bei ihr sehr unterschiedliche Aspekte und Fähigkeiten miteinander verknüpft und "abgerufen" werden können.

Durch die Gestaltung eines Werkes, durch die Umsetzung eines Themas , bei der eine besondere Konzentration auf das Wesentliche - schon aufgrund des nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Raumes - erforderlich ist, kann zum betrachteten Thema aus dem eigenen Lebensumfeld eine heilsame "kritische Distanz " zu sich selbst geschaffen werden, die man beim direkten Nachdenken über die Lebensumstände so nicht erreicht hätte. Der engen Begrenztheit des bei der Medaille und dem Kleinrelief zur Verfügung stehenden Gestaltungsraumes entspricht übrigens die zeitliche - allerdings hier von vornherein unbekannte - Begrenztheit des menschliches Lebens. Aus den beiden zueinander analogen "Begrenztheiten" erscheint es geboten, deren Gestaltung besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Die hier gezeigten Werke bieten in ihrer Mehrzahl ein Interpretationsangebot an den Betrachter - dabei ist unser Angebot stets in einem umgrenzten Gebiet vorhanden- wer jede beliebige Interpretation ohne Grenzen anbietet, sagt schließlich gar nichts mehr aus. Eine expressionistische Vermittlung von höchst subjektiven Gefühlszuständen ist deshalb auch nicht unser Ziel. Unser Ziel ist es , Gefühl und Verstand des Beobachters "ganzheitlich" anzusprechen. Letztlich werden also drei "Künste" miteinander verbunden : die freie Gestaltung eines stofflichen Materials, die Kunst der Lebensgestaltung - aufgrund der besonderen Themenwahl also Elemente der Lebenskunst - und bei Gestalter und Betrachter gleichermaßen die Kunst der Interpretation. Der Betrachter schafft sich in gewisser Weise sein eigenes Werk, so wie er sich auch seine eigene Welt erschafft.

Eine persönliche Bemerkung gestatten wir uns noch, da der Leser dieser Zeilen den Eindruck haben könnte, der Autor hätte sich hier einen inneren Widerspruch "eingefangen": Die Themen "Glück" und "Sinn", aber auch die Lebenskunst allgemein, haben in diesen Jahren gerade "Hochkonjunktur". Jedes Jahr erscheinen hierzu tausende Veröffentlichungen und Bücher. Andererseits hat der Autor direkt und indirekt mitgeteilt, dass er sehr skeptisch dem Zeitgeist und der Mode gegenüber steht, "des Neuen nur um des Neuen willen" - im privaten, gesellschaftlichen und künstlerischen Bereich . Durch die Verknüpfung der Medaillenkunst mit der Lebenskunst erscheint es zunächst so, dass wir auch nur einer Mode, einer "Laune des Zeitgeistes" folgen.

Wir freuen uns sehr darüber, dass die Themen "Glück, Sinn, Lebenskunst" in den letzten Jahren endlich (um das Jahr 2000) die Aufmerksamkeit erfahren haben, die sie "verdienen". Man kann die zunehmende Beliebtheit dieser Themen vielleicht auf eine zunehmende Orientierungslosigkeit der Menschen zurückführen .

Leider ist allerdings für uns selbst dieser gesellschaftliche Themenschwerpunkt in Psychologie und Philosophie reichlich spät entdeckt worden. Kurz vor unserem Abitur (1964) befanden wir uns in einer ersten Phase der Orientierungslosigkeit. Welchen Weg nach dem Abitur gehen ? Welcher Beruf könnte so interessant sein, um sich ihm in den nächsten 40 Jahre zu widmen? Wie wichtig sind Freiheit und Geld für uns bei der Berufswahl ? Eine Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft "Philosophie" im letzten Schuljahr, von der wir Ratschläge dazu und zur Lebensgestaltung allgemein erhofften, war nur sehr eingeschränkt für uns hilfreich. Die Philosphie kam mir wie ein Gemischtwarenladen damals vor, mit relativ beschränkter Auswahl, wo man sich nach persönlicher Vorliebe bedienen kann. Allerdings haben wir die Überlegungen von Epikur und Schopenhauer dort kennengelernt , die durchaus für uns von praktischen Interesse waren.

Kurz vor dem Ende eines "technischen Studiums" - ein Studium der Psychologie erschien uns auf zu schwankendem Boden gegründet - gelangten wir in eine zweite Phase der Orientierungslosigkeit . Da traf es sich gut, dass zu dieser Zeit in der RIAS- Funkuniversität eine Sendereihe mit dem Titel "Anatomie des Glücks" (später im Kiepenheuer&Witsch Verlag erschienen ) lief, die eine Anregung gab, sich weiter mit dem Glück und Lebensgestaltung wieder näher zu beschäftigen. Ein Lebensgefühl herrschte bei uns damals vor - die Auswahl einer einzigen konkreten Möglichkeit verbaut gleichzeitig eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Einerseits ein wunderbares Gefühl der Freiheit - andererseits das Gefühl der Bedrohung durch eine möglicherweise im nachhinein in ihren Konsequenzen fatale Wahl.

Einige Jahre später - nach einer beruflichen Entscheidung gegen Geld und für mehr Freiheit im beruflichen und privaten Bereich , kam eine neue Phase der Orientierungslosigkeit auf uns zu - wie diese Freiheiten verantwortungsvoll und insgesamt für unsere Lebensgestaltung sinnvoll nutzen ? Eine Anregung, sich wieder mit dem Thema näher zu beschäftigen , war das Büchlein von G.Hentrich; Ermutigung zum Glück. (Herder-Verlag). In der Folge hatten wir etwas mehr Muße , uns mit dem Thema "sinnvolle Lebensgestaltung" zu widmen - mehr Muße auf jeden Fall, als zur Zeit unserer Industrietätigkeit.

Eine ausgeprägte Midlfe-Crisis mussten wir zwar - Gott sei Dank- nicht durchleben, mit dem Überschreiten der "50" hat das Thema "Lebenskunst" füe uns weiter an Bedeutung gewonnen - wozu auch die Entwicklung der einschlägigen Literatur nach 2005 beigetragen hat.

Das Thema " sinnvolle Gestaltung des Lebens" wird in unserem Werk also nicht aus einer momentanen Laune oder aus modischen Gründen behandelt, sondern es begleitet uns bereits seit langer Zeit. Der tiefere Grund liegt wohl in einer grundlegenden "Lebensverunsicherung", die wir als Patient (ungefähr mit sieben Jahren) in einem Krankenhaus bei einem Ausflug einer "Patientengruppe" zur Novemberzeit auf einen Friedhof erfahren haben. Die vielen kleinen Lämpchen auf den Gräbern , zusammen mit der Bemerkung einer wohl gutmeinenden Krankenschwester aus den kirchlichen Umfeld: Hier liegt der kleine ....., vor 6 Wochen war er noch unter uns - haben wohl etwas wesensverändernd gewirkt. Auch der Hinweis , dass jetzt der kleine ... beim Lieben Gott wäre und es jetzt gut hätte, konnte uns nicht wirklich beruhigen. Eher drängte sich der Gedanke auf : Wieso liegt der da unten ? und etwas spezieller : Hoffentlich habe ich nicht "das Gleiche" wie es der da unten gehabt hat. Im Nachhinein beurteilen wir jedoch diese "erste allgemeine Verunsicherung" insgesamt nicht als negativ.

Unsere Skepsis -gegenüber einer unkritschen Anpassung an den Zeitgeist und an Moden im allgemeinen Sinn- folgt auch im Wesentlichen aus persönlichen Erfahrungen. Hierzu wollen wir nur ein Beispiel bringen. Wir haben unseren Kunstunterricht im amerikanischen Sektor Westberlins am Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts genossen. Zu dieser Zeit stand die Abstrakte Kunst ganz in der Mitte der Wertschätzung - was wir , kurz vor dem Abitur stehend- in dieser Einseitigkeit nicht verstehen und nachvollziehen konnten. Zeitgenössische figurative Kunst war recht verpönt und geradezu suspekt , gerade in West-Berlin,- sie wurde fast immer in die Nähe der Nazi- Kunst oder des Sozialistischen Realismus gerückt. Über die politischen Hintergründe - die Abstrakte Kunst vehement in der damaligen Kunstszene durchzusetzen - kann man sich ausführlich in der Literatur informieren. Über den Schwachsinn, der teilweise im Zeitgeist von politischen Entscheidungen und von gesellschaftlichen Erscheinungen zu entdecken ist - und das durchaus nicht nur in der ferneren Vergangenheit - wollen wir uns hier nicht näher auslassen. Zur Anpassung an den Zeitgeist zählen wir übrigens auch einige Abartigkeiten der Politischen Korrektheit.

Wir haben die Erklärung gegeben , um im Leser nicht falschen Eindruck zu erwecken, unser Werk sei innerlich inkonsistent. Solche Inkonsistenzen sind uns selbst ein arger Graus. Unsere Abneignung, dem Zeitgeist nicht bedingungslos und unkritisch zu folgen und andererseits gerade aus dem "momentan aktuellen" Bereich der Lebenskunst die Themen unserer Werke gewahlt zu haben, das muss also kein Widerspruch sein. Unsere persönliche Verunsicherung in bestimmten Lebensabschnitten fand bloß zeitlich etwas vor der allgemeinen - in den letzten Jahren stark zugenommenen - gesellschaftlichen Verunsicherung statt.

Diese kurze Zusammenfassung hat dem Leser und dem Betrachter hoffentlich die Anregung gegeben, das hier gezeigte Werk offen - und auch mit geschärftem Blick kritisch - zu betrachten, um vielleicht dadurch einen größeren Nutzen aus den Darstellungen für sich selbst zu ziehen - im oben beschriebenen Sinne. Dies kann durchaus auch durch Annahme einer Gegenposition geschehen. Es gilt gerade bei diesen Werken : Der Weg ist das Ziel ! Auch für uns selbst ist die versuchsweise, tastende Weiterentwicklung - verbunden auch mit der Gefahr von Fehlschlägen - einer der interessantesten Aspekte des hier beschriebenen Werkes. Am Anfang der Entstehung eines Werkes steht der genaue Weg noch nicht fest - er formt sich erst durch "trial and error" , durch Ertasten und Nachjustieren heraus - das endgültige Resultat kann durchaus merklich von der Ausgangsidee abweichen. Auch darin besteht eine Analogie zur Entwicklung der eigenen Lebensgestaltung, die allerdings weitergehenden Restriktionen unterworfen ist.

Wir würden uns freuen, falls es uns durch unsereWerke gelänge, die Phantasie des Betrachters zu bestimmten Themen anzuregen- genau so, wie auch wir beim Erstellen unserer Werke unsere Phantasie haben "spielen" lassen.

Natürlich kann in dieser Kurzzusammenfassung nur eine ganz grobe Andeutung des Wesens des hier gezeigten Medaillen- und Reliefwerkes gegeben werden. An anderer Stelle werden wir noch einen ausführlicheren Kommentar anbieten. Dazu gehört auch die Einbettung des Themas in einen größeren Zusammenhang.

Zu einigen Werken geben wir direkt einige allgemeine Hinweise, jedoch keine ausführlichen Interpretationen an.

 

* Zur Erklärung des Begriffes "Lebenskunst" empfehlen wir die folgende Literatur :
Schmid, Wilhelm: Philosophie der Lebenskunst, Suhrkamp Verlag, 1998, ISBN 3-518-28985-3
Schmid, Wilhelm: Glück : Alles , was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist, Insel Verlag , 2007, ISBN 978-3-458-17373-1

Zurück